Veröffentlicht am 18.10.2017 von BSH Hausgeräte

Wie Mykie entstanden ist – ein Interview mit UX Researcher Sebastian Löhmann

Mykie war schon auf der CES in Las Vegas und bereits zum zweiten Mal auf der IFA in Berlin. Sebastian Löhmann erzählt uns die Geschichte der Entwicklung des interaktiven Küchen-Assistenten.

Was ist Mykie?

Mykie ist unser BSH-Konzept für einen interaktiven Küchen-Assistenten. Über die Home Connect-Technologie kann Mykie Hausgeräte miteinander verbinden und kontrollieren. Der Konsument kann mit ihm sprechen und ihn bitten, Aufgaben zu übernehmen. So kann Mykie zum Beispiel die Waschmaschine programmieren und starten, oder aufzählen, was im Kühlschrank ist und ein passendes Rezept finden.

Wie sieht Mykies Entstehungsgeschichte aus?

Mein Team, das User Experience Team, war am Konzept beteiligt. Mein Kollege, der UX Designer Leo Sommer, und ich haben die ersten Skizzen für die Benutzeroberfläche erstellt. Anschließend haben wir seine animierten Augen skizziert und uns überlegt, wie er reagieren und kommunizieren soll – über Berührung oder Stimme? Oder sogar über Projektion?

Von Anfang an war unserem Team aus UX-Designern und Robotics-Forschern klar, dass so ein Assistent in der Küche seinen Platz haben soll, wo er ins Familienleben integriert wird. Aber wir wollten natürlich wissen, welche Bedürfnisse die Nutzer haben. Im Rahmen unserer Forschung zum Thema Assistenz im Haushalt haben wir an einem achtwöchigen Forschungsprojekt mit einer Agentur teilgenommen, die auf Design Thinking spezialisiert ist. Der nutzerzentrierte Ansatz war perfekt für Mykie, denn er hat uns gezeigt, was die Nutzer bewegt, welche Ansprüche sie an ein solches Produkt haben und wie sie damit kommunizieren würden.

  • Mykie was presented at IFA Berlin in 2017

Mykie wurde auf der IFA in Berlin 2017 vorgestellt.

Was genau beinhaltet so eine UX-Recherche?

Sobald wir uns mit dem Technik-Team im Großen und Ganzen einig waren, welche Komponenten Mykie haben soll, haben wir mit den Nutzer-Interviews begonnen. Um herauszufinden, wie er aussehen könnte, haben wir unterschiedliche Schaumstoffmodelle mit zu den Testpersonen nach Hause genommen und sie dazu befragt.

Im Zuge der Interviews haben wir Menschen in München und in New York befragt. Alle bekamen von uns die verschiedenen Schaumstoffmodelle und konnten dann entscheiden, welche Funktionen der Assistent haben sollte. Sie durften ihn selber ausstatten, zum Beispiel mit einem Mikrofon, mit Augen oder Ohren. Unsererseits gab es keinerlei Vorgaben – der Fantasie waren also keine Grenzen gesetzt. Eine Erkenntnis war, dass das Modell, das am ehesten menschliche Züge nachahmt und eine Art Gesicht hatte, die größte Aufmerksamkeit erregte.

Gleichzeitig hat unser Robotics-Entwicklerteam weiter an den Funktionen gearbeitet und den ersten voll funktionsfähigen Prototypen auf ein Niveau gebracht, bei dem die Technologie einsatzbereit ist.

  • The user interviews took place in Munich and New York. In this picture: Sebastian Löhmann.

Die Nutzer-Interviews fanden in München und New York statt. Im Bild: Sebastian Löhmann.

Wie unterschieden sich die Testpersonen in München von denen in New York?

In München haben wir unsere Mykie-Modelle zum Beispiel einer Wohngemeinschaft gezeigt, sowie einem Flugbegleiter, der sehr wenig zu Hause ist, aber auch einer älteren Dame, oder einer Food-Bloggerin, die sehr viel backt und kocht.

In New York hingegen haben wir uns eher auf Experten, Designer und Menschen konzentriert, die sehr viel Zeit mit digitaler Technologie verbringen und vieles über ihr Handy regeln. Wir haben auch darauf geachtet, Menschen aus unterschiedlichen Stadtvierteln zu befragen. Aus Manhattan natürlich, aber auch aus Brooklyn zum Beispiel, wo es eigentlich nur kleine Einzelhändler gibt und der Lieferservice Hello Fresh viel genutzt wird.

Wie viel humanoide Anteile sollte Mykie bekommen und wie habt ihr das entschieden?

Apples Siri und Amazon Echos Alexa antworten ja wie Menschen, haben aber keinerlei Körper oder Gesicht. Mykie aber sollte weitergehen und auch Gefühle ausdrücken können. So haben wir uns während der Entwicklung damit beschäftigt, wie groß zum Beispiel sein Kopf sein soll, ob er beweglich ist und ob er überhaupt ein komplettes Gesicht haben soll? Wir sind dann zu dem Schluss gekommen, dass Augen ausreichen um verschiedene Reaktion zeigen zu können – diese waren auch leichter zu animieren.

Was habt ihr über die Wünsche der Konsumenten im Umgang mit einem Roboter herausgefunden?

Die wichtigste Erkenntnis war, dass die Nutzer gerne die Kontrolle über Mykie haben möchten. Das heißt, sie wollen nicht, dass er sich selbstständig bewegen oder Dinge einfach entscheiden kann.
Er soll Ideen vorschlagen, zum Beispiel fragen, ob er die Waschmaschine starten soll und dem Nutzer die endgültige Entscheidung überlassen. Außerdem wurde klar, dass eine allzu humanoide Optik von den Nutzern als zu gruselig empfunden wird.

Wir haben viele verschiedene Interaktionsmodelle ausprobiert. In den USA haben wir sogar mit Stimme und Sprache experimentiert. Unsere Mykie-Modelle waren mit einem Bluetooth-Lautsprecher ausgestattet und wir haben ihn in verschiedenen Tonalitäten auch Kommandos geben oder Witze machen lassen. Diese Testmethode heißt „Wizard of Oz-Prototyping“. Wie schon erwähnt, haben wir als Testmodell nur eine schlichte Schaumstoff-Form benutzt, die Testpersonen aber gebeten, ihre Fantasie zu nutzen und durch Rollenspiel herauszufinden, wie sie mit Mykie interagieren würden.

Wir ist der derzeitige Status von Mykie?

Unser Entwicklerteam arbeitet gerade an den Feinheiten der Benutzeroberfläche und hat eine erste Miniserie produziert, die gerade überall auf der Welt vorgestellt wird. Auf der IFA in Berlin und der CES in Las Vegas waren wir auch schon mit ihm! Wir freuen uns sehr auf die Zukunft, wenn Mykie zum ersten Mal in die Haushalte der Nutzer integriert wird und wir erfahren werden, wie er in das Leben der Menschen passt.

  • Users received foam models and were able to decide on functions

Nutzer bekamen Schaumstoffmodelle und konnten über Funktionen entscheiden

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